Dienstag, 3. April 2012

Sehr allein - aber das bringt´s

Es gibt (mindestens) zwei Methoden, als Journalist über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan zu berichten. Die eine: im Tross. Man begleitet den Außenminister, die Kanzlerin, den Entwicklungshilfe-Minister usw. zusammen mit vielen anderen Journalisten beim Truppenbesuch an den Hindukusch. Dann ist man umgeben von wichtigen Generälen, vielen Presseoffizieren und Vorzeigesoldaten. Das mag alles seine Berechtigung haben - mich interessiert eher die zweite Methode.

                                           Im Camp Marmal mit Blick auf den Flughafen. 


Die Allein-Methode. Die ist ein bisschen härter. Man ist hier nämlich richtig allein. Weit weg von daheim, ohne Journalisten-Kollegen, in deren Masse man ein bisschen mitschwimmen und untertauchen kann. Als blonde Frau im Camp Marmal mit seinen rund 3500, hauptsächlich männlichen Soldaten. Als Zivilistin. Ohne Uniform durch diese endlosen, eintönigen Barackenreihen zu laufen - nichts könnte auffälliger sein. Je nachdem, wem man - vor allem nach Dienstschluss - so begegnet, kassiert man auch mal ein paar flotte Sprüche. Bei mir hielt es sich während meiner letzten Afghanistan-Reise aber durchaus im Rahmen, und es hält mich ja auch keiner ab, ein paar Texte nachzuschieben.

Vertrauen und Verständnis - und ein Dilemma


OK, das sind die Herausforderungen. Aber was bringt das alles? Antwort: Genau das, was ich suche. Die Geschichten, die einem keiner erzählt, wenn noch 30 Menschen im Pulk um einen stehen. Die Geschichten, die Zeit brauchen. Und Vertrauen. Vertrauen entsteht, wenn die Journalistin (so weit wie möglich) den Tagesablauf der Soldaten teilt. Und Verständnis aufbringt. Verständnis kann sich - trotz umfangreicher Vorabrecherche im sicheren Deutschland nur dann entwickeln, wenn man im Fuchs mitfährt, das gleiche Essen der Truppenküche isst, seine Familie genauso vermisst - und hofft, dass sich die Daheimgebliebenen nicht völlig das Hirn zermatern vor Sorge.

Die Geschichten, die ich gehört habe, waren manchmal nur schwer zu ertragen. Dass sich auch höhere Dienstgrade mit gegenüber geöffnet haben, teils sehr kritisch ihrem Dienstherrn gegenüber - das war ein echter Vertrauensbeweis. Die Soldaten, die ich kennengelernt habe, freuten sich über das Interesse an ihrem Job. Nach einem grundsätzlich eher misstrauischen Kennenlernen haben mir viele über ihre Erfahrungen berichtet. Auch als junge Journalistin ernstgenommen zu werden, tut gut. Bei allem gegenseitigen Vertrauen - ich vertraue den Soldaten schließlich mein Leben an - entsteht allerdings ein neues Dilemma: die kritische Distanz zu wahren.

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