Dienstag, 10. April 2012

Vom kleinen Ochsenknecht und der großen Kluft

Es ist DER Aufreger, nicht nur unter den deutschen Soldaten derzeit: Ein Klamaukfilm über die Bundeswehr im Afghanistaneinsatz. Inklusive aufblasbarem Sexspielzeug, jeder Menge Alkohol und uuuuuuuunglaublich coolen Jungs in Uniformen. "Willkommen im Krieg" heißt dieser Schenkelklopfer, Untertitel: "Stop war, make fun". Einer der Ochsenknecht-Jungs gehört zu den Checkern, die früher im Bus immer in der letzten Reihe gesessen haben. Am besten gefällt mir das Bild dazu (gefunden bei Robert Sedlatzek- Müller ) :

                                                          Vergleich Film und Realität


Am besten finde ich dazu die Kritik des Grünen-Sicherheitsexperten Omid Nouripour hier : "Die Darstellung der Realität von Krieg ohne Banalisierung oder Heldenmalerei ist nie einfach. Die Komik des häufig Absurden darin zu entdecken, ohne dabei verharmlosend zu wirken, erst recht", schreibt Nouripour auf Spiegel Online. Das trifft es sehr gut. 

Immer wieder komische Situationen

Was mich bei meiner ersten Reise nach Afghanistan immer wieder überrascht hat, ist die schnoddrige Witzigkeit der Soldaten. Diese leben mitten im Einsatz, sie sind es, um die es geht, wenn wir Zivilisten und Journalisten hier urteilen und Kriegsberichterstattung betreiben. Sie erleben die Gefahren, sehen Blut, Verletzte, Tote - und doch ergeben sich immer wieder komische Situationen. So wie diese hier in einer Übungspause nahe des amerikanischen Camp Spanns nahe des deutschen Lagers Marmal:


                                                                                        "Smoking kills" -  Foto: Julia Weigelt


Oder auch das hier, gefunden in einem Stabsgebäude im Camp Marmal:


 "Entscheidungen treffen heißt Folgen tragen" - Foto: Julia Weigelt

 
Reißt Pro 7 jetzt Witze über Soldaten oder zieht der Sender die Bundeswehr/den Einsatz/die Opfer in den Schmutz? Intelligent ist diese Schenkelklopfer-Schmonzette jedenfalls nicht. Gut, das ist jetzt nicht so die größte Nachricht. Ein echter "Brüller" hingegen ist der Sendetermin: Zwei Jahre nach dem Karfreitagsgefecht in Isa Chel mit drei toten Deutschen. Gefechtsteilnehmer Frank Castle kommentiert auf Pro 7.de: "Also Sie denken allen ernstes, dass die Familien am Sterbetag ihr Kinder, Ehemänner, Väter und Geschwister vor dem TV sitzen und sich totlachen?"

Ich habe vor ein paar Wochen einen Vortrag von Hauptmann Jan-Henrik Schröder bei der Gesellschaft Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW) gehört. Er war Chef der 1. Kompanie des Einsatzkontingents und hat unaufgeregt, aber eindringlich von seinen Erlebnissen berichtet. Das hat mich ganz schön mitgenommen.

Die Diskussion über "Willkommen im Krieg" zeigt vor allem eines - wie groß die Diskrepanz zwischen dem Erlebten der Soldaten einer Einsatzarmee einerseits und den Bürgern eines (vergleichsweise) friedlichen Deutschlandes andererseits ist. 

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